Buchvorstellung von Gregory Gordon am MPIL

Am 10. Dezember 2025 durfte das Center for Diversity in Law zu einem Vortrag von Gregory Gordon am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht einladen. Dieser stellte sein neuestes Buch »Nuremberg’s Citizen Prosecutor: Benjamin Ferencz and the Birth of International Justice« vor.

Eindrucksvoll stellte er darin das Leben von Benjamin Ferencz vor, welcher bereits mit 27 zum Chefankläger im Einsatzgruppen-Prozess – dem neunten Nürnberger Nachfolgeprozess – ernannt wurde. Durch seinen persönlichen Zugang zu Ferencz selbst und dessen Unterlagen, konnte Gordon die erste umfassende Biographie erstellen, die auch bisherige Lücken im Leben, wie die intensive Ermittlungs- und Anklagetätigkeit in den Nürnberger Industrieprozessen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Krupp-Verfahren, aufarbeitet.

Hier ein Buchausschnitt (übersetzt aus dem Englischen):

Am 29. September 1947 trat der 27-jährige Benjamin Ferencz im Gerichtssaal 600 vor dem Nürnberger Militärgerichtshof ans Rednerpult, um die Eröffnungsrede der Anklage gegen Hitlers brutale Handlanger der Einsatzgruppen zu halten – die SS-Tötungseinheiten, die für mehr als 1,5 Millionen Todesfälle während des Holocaust verantwortlich waren – in dem von der Associated Press als »größter Mordprozess der Geschichte« bezeichneten Verfahren. Als nach dem Zweiten Weltkrieg das Gebiet der internationalen Strafgerichtsbarkeit entstand, war Ferencz der einzige, der in allen Phasen – Ermittlungen, Strafverfolgung und Wiedergutmachung – eine führende Rolle spielte. Angesichts seiner bescheidenen Herkunft als armer Einwanderer, der vor antisemitischer Verfolgung in Osteuropa floh und in New Yorks Hell’s Kitchen aufwuchs, war dies eine außergewöhnliche Leistung. Als Stipendiat der Harvard Law School war Ferencz der leitende Ermittler für Kriegsverbrechen von General Patton, bevor er Chefankläger in Nürnberg wurde. Entsetzt von dem, was er dort sah, widmete er seine Karriere den Überlebenden des Holocaust, leistete Pionierarbeit bei wichtigen Wiedergutmachungsbemühungen und half bei der Aushandlung des wegweisenden Reparationsvertrags zwischen Westdeutschland, Israel und der jüdischen Zivilgesellschaft. Später wurde er zu einem Verfechter des Friedens und einer treibenden Kraft hinter der Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs. Bemerkenswerterweise schloss er sich als letzter noch lebender Nürnberger Ankläger der Anklage im ersten Verfahren des Gerichtshofs an.

Wir bedanken uns bei Gregory Gordon für den spannenden und leidenschaftlichen Vortrag!